Deutsches StartUp vor dem Abgrund? Wunderkit wird eingestellt!

Als wir im 4. Semester (2012) versuchten unser 5-köpfiges Team zu organisieren fiel uns die Beta eines Tools namens Wunderkit (vom Berliner StartUp 6Wunderkinder) geradezu in die Hände. Die Oberfläche sah toll aus, die Versprechungen die gemacht wurden waren überschwänglich und die Meinungen zu Wunderkit und dem simpleren Vorgänger Wunderlist, waren durchwegs positiv.

Was ist Wunderkit?

Wunderkit war eine Web- und Desktopapplikation, die, laut Hersteller, dazu geschaffen war um Task-Management, sowohl Privat als auch im Unternehmen, auf eine neue Stufe zu heben. Mit Wunderkit konnte man also verschiedene ToDo-Listen führen, sich zu Projekt-Teams zusammenschließen und sich damit effektiv organisieren.

Für unsere Zwecke reichte Wunderkit völlig aus. Wir verwendeten es einfach dazu, verschiedene Tasks in der Gruppe aufzuteilen. Sobald jemand fertig war wurde der Task von ihm abgehakt. Wie bereits erwähnt, die GUI war richtig schön designt, es macht einfach Spaß das Programm zu verwenden. Leider wurde es schnell etwas umständlich und nach dem ersten Hype wurden alle Teammitglieder nachlässiger. Nach den ersten zwei Wochen wurde das Tool so gut wie nicht mehr verwendet.

Und jetzt?

Nun veröffentlichte 6Wunderkinder einen offiziellen Blog-Eintrag indem sie davon berichten, Wunderkit einzustellen. Ich will euch mit Details verschonen aber im Grunde geht es darum, dass zu Anfang zwar alle total scharf auf die Beta waren (die Downloadzahlen waren dementsprechend hoch) aber aktive User über einen längeren Zeitraum gab es einfach viel zu wenige. Zusätzlich kämpfte Wunderkit mit vielen kleinen Bugs, die laut dem Blogeintrag des Gründers Christian Reber durch den Zeitdruck entstanden sind.

6Wunderkinder zieht also die Handbremse, stellt Wunderkit ein und verlegt alle Ressourcen auf ihre ursprüngliche Applikation Wunderlist. Noch dieses Jahr soll eine komplett überarbeitete Version erscheinen, namens Wunderlist 2. Back to the roots also!

Was mich an dieser Geschichte aber fasziniert ist die gewaltige öffentliche Reaktion darauf. Ein Startup hat Erfolg, erst mit Wunderlist und dann mit Wunderkit, muss ein Programm aber einstellen. Sofort wurden Stimmen laut, dass 6Wunderkinder ihre Kohle verschleudert hätten.

„Selbst verschuldet“, „Hätten sie mal nicht so viel PR gemacht für ein Tool, dass ihnen über den Kopf wächst!“

So zerreisst sich die Fachpresse momentan ihr Maul.

Ich finde 6Wunderkinder hat tolle Applikationen geschaffen, sie sind jung und unerfahren aber ich bin überzeugt, dass sie weiterhin erfolgreich sein werden. Sie sind ein Risiko eingegangen aber keineswegs komplett gescheitert. Und diese Risikobereitschaft bewundere ich am meisten!

Wer von euch hat Wunderlist oder Wunderkit verwendet?